Über uns

 

Die Superfood_Schleudergang, oder kurz “Schleudergang”, ist eine Initiative am Karla*hof. Wir verarbeiten Obst, Gemüse und Ackerfrüchte zu Aufstrichen, Marmeladen, Konserven, Sauerkraut, Saucen, etc. und geben dies tauschlogikfrei weiter.

 

Das Konzept

Etwas tauschlogikfrei weiterzugeben heißt für uns, dass wir kein Geld dafür verlangen, nichts in direktem Tausch dafür zurück haben wollen, oder einem Glas Aufstrich einen bestimmten Wert geben, seien es 2 € oder ein halbes Kilogramm Kartoffeln. Menschen können „einfach so“ unsere Aufstriche und haltbar gemachten Lebensmittel mitnehmen und essen, weiterverarbeiten oder weitergeben – natürlich zu genau der gleichen Bedingung wie wir das tun.

 

Für viele scheint diese Idee erst einmal komisch. Etwas herstellen und dann weitergeben, das macht mensch höchstens in der Familie oder mit guten Freund*innen. Schließlich kostet das ja alles Geld und Zeit. Und warum sollte ich überhaupt etwas weitergeben, wenn ich dafür nichts zurück bekomme?

Diese Fragen und Einwände sind alle berechtigt und nachzuvollziehen, denn so funktioniert unser Leben gerade meistens nicht. Leistung gibt es nur für Gegenleistung, Produkt für Geld und was wie viel „wert“ ist, regeln Finanzaufsichtsbehörden, Staaten und Konzerne. Die „unsichtbare Hand des Marktes“ bestimmt unsere Leben, vom Supermarkteinkauf über Arbeitsstellen bis hin zu Gesundheitsversorgung und dem wohl verdienten Urlaub. Dazu gibt es keine Alternative. Oder?

 

Was wir hingegen tun scheint unter diesen Umständen erst einmal absurd, idealistisch, naiv oder wie religiös verblendete Nächstenliebe. Dabei haben wir uns sehr viel dabei gedacht, als wir uns entschlossen haben unsere Zeit und Mühen für diese Tätigkeit aufzuwenden.

In diesem Text erzählen wir, warum wir das tun was wir tun und was unsere Ziele damit sind.


Wer wir sind

Zur Zeit sind wir knapp zehn Leute, von denen einige am Karla*hof in Brandenburg leben, andere nicht. Wir organisieren uns in Arbeitsgruppen, die sich eigenständig organisieren. Beispielsweise gibt es eine Verteil-AG und eine Produktions-AG.

Dazu gibt es sehr regelmäßige Unterstützung von vielen Einzelpersonen und Gruppen. Zum Einen treffen wir uns wöchentlich, um vegane Brotaufstriche herzustellen.

 

Zum anderen laden wir, über das Jahr verteilt, auch zu mehreren „Einkochewochen“ ein, in denen wir mit vielen Menschen gemeinsam im großen Stil Marmeladen, Sauerkraut, Pesto, etc. herstellen. Diese Wochen nutzen wir aber auch für das Erproben von Selbstorganisierung und gemeinsamen Gruppenprozessen, also wie wir zusammen arbeiten wollen, wer wann kocht, putzt, auf Kinder aufpasst etc., wie wir starre Hierarchien vermeiden können und so weiter.

 

Oder wir öffnen den Raum zum Austausch über politische Themen und Wissensvermittlung im Bereich Lebensmittelverarbeitung. Und natürlich lernen wir uns gegenseitig kennen, machen Ausflüge zum See oder Spieleabende. Manchmal gibt es auch etwas zu bauen oder es wird Hilfe im Garten benötigt.

Für uns ist die Schleudergang nicht nur eine Gruppe, die leckeres Essen produziert, sondern auch eine Möglichkeit, neue Ideen zu spinnen und auszuprobieren.

 

Zum Beispiel wollen wir selbstbestimmt miteinander arbeiten und möglichst keinen Leistungsdruck haben. Für uns heißt das: regelmäßige Pausen, auf unsere persönlichen Grenzen achten und mit Spaß an der Sache zu sein – auch wenn dann halt mal weniger oder nichts produziert wird.

Uns sind gegenseitige Sympathien, ein bewusster Umgang mit Geschlechterrollen und -identitäten wichtig. Wir nehmen uns regelmäßig Zeit um darüber zu sprechen, was wir tun und vor allem wie wir das tun. Wir haben in unseren Leben vieles gelernt was uns unglücklich macht.

Sei es um schmerzhafte Erfahrungen zu vermeiden oder von Familie, Lehrer*innen, Vorgesetzten, Freund*innen usw. vermeintliche Anerkennung, „Liebe“ oder sogar eine Daseinsberechtigung zu erhalten. Für uns haben unsere inneren Narben sehr viel mit den äußeren Umständen zu tun, die wir nicht mehr einfach so hinnehmen möchten. Vielleicht kommt dir das bekannt vor?

 

Gemeinsam lernen wir einen neuen Umgang damit, miteinander und mit uns selbst zu finden. Das meinen wir, wenn wir davon sprechen, dass uns unsere Bedürfnisse und die Wahrung unserer persönlichen Grenzen wichtig sind.


Wie ist das jetzt mit der Tauschlogikfreiheit?

Der größte Teil unserer Erzeugnisse wird mitgenommen und in WGs und Gruppen, mit denen wir in Kontakt stehen, gegessen. Die wichtigste Regel aber ist: Es gibt nichts im direkten Tausch. Das heißt niemand kann diese Produkte kaufen und wer sie bekommt, muss dafür nichts als Gegenleistung geben oder „schuldet“ uns was.

Alles, was wir produzieren, wurde bereits „bezahlt“. Das heißt: wir bekommen Gemüse und beispielsweise Lupinen (die Grundlage der meisten unserer Aufstriche) bereits tauschlogikfrei von anderen Gruppen, die unsere Wünsche und Vorstellungen teilen.

Das sind teilweise Überschüsse, aber auch Dinge, die extra für uns zur Weiterverarbeitung angebaut werden. Unsere Erzeugnisse können diese Gruppen dann zwar auch konsumieren, aber es handelt sich nicht um einen direkten Tausch, weil nicht miteinander aufgerechnet wird, was wie viel „kostet“ oder „eigentlich kosten würde“.

 

Außerdem ist das Weitergeben von Rohstoffen nicht die Bedingung dafür, dass diese Leute unsere Erzeugnisse bekommen. Sie werden nicht durch beispielsweise Aufstriche „bezahlt“, sondern nehmen sich, was sie mögen und brauchen.

Andere Zutaten sammeln wir frei in der Umgebung des Karla*hofs, einer pflanzenschutzfreien Insel im brandenburgischen Meer der industriellen Landwirtschaft. Dazu gehören Blüten und Beeren, Kräuter und Wurzeln, sowie Nüsse und Obst. Das alles ist „umsonst“.

Wir bezahlen uns kein Geld aus, rechnen uns keine Arbeitsstunden aus, wollen auch nicht vom Aufstrichmachen leben, kein Unternehmen gründen oder ähnliches. Wir wollen mit unseren Produkten dazu beitragen, dass Menschen, die haltbar gemachtes Essen benötigen, auch welches bekommen. Also versuchen wir deren konkreten Bedarf an Aufstrichen, eingelegter Zucchini, Marmeladen, Sauerkraut, etc. zu decken.

Natürlich müssen wir auch Zutaten, die uns nicht von anderen gegeben werden oder die wir nicht selbst herstellen, dazukaufen. Dafür suchen wir Spenden von solidarische Menschen.

Die Spende ist vom Produkt „entkoppelt“, das heißt, dass keine Person einen besonderen Anspruch hat, weil sie gespendet hat. Menschen können uns spenden, weil sie die Idee dahinter gut und unterstützenswert finden.

 

Es geht für uns und für sie um ein Experiment alternativen Lebens und Wirtschaftens. Wir verstehen uns als Teil einer Umsonstökonomie, in der nicht nur von den Resten der Überflussgesellschaft gelebt wird, wie beim trampen oder „containern“. Wir produzieren und basteln selbst aktiv an einer Welt, wie wir sie uns wünschen, in der wir uns sicher und wohl fühlen und sinnvoll tätig sind.

Unser Ideal wäre es unabhängig von unserem eigenen Tun – also ohne aufzurechnen – genauso von nicht-kommerziellen Produkten oder Tätigkeiten anderer beglückt zu werden. Das passiert auch schon im Kleinen, wie bereits erwähnt durch Spenden und Menschen, die uns Rohstoffe für unsere Erzeugnisse organisieren.

 

Auch wir brauchen jede Menge Dinge, zum Leben und um unsere Produktion langfristig aufrecht zu erhalten. Wir sind leider auch nicht frei von den Zwängen im Hier und Jetzt, in denen wir überleben wollen. Und dann produzieren wir auch noch auf eine Art und Weise, die im kapitalistischen System nicht „wirtschaftlich“ ist und das auch gar nicht sein soll.

Denn wir wollen eine andere Logik schaffen, die auch das einbezieht, was nicht in Zahlen und Preisen enthalten ist – die ökologischen Auswirkungen, soziale Beziehungen, unsere Wünsche, Bedürfnisse und Kreativität.

Daraus ergeben sich Widersprüche, denen wir uns stellen wollen. Wir suchen nach Möglichkeiten einen Umgang damit zu finden und dabei trotzdem utopisches Leben und Arbeiten/Tätigsein zu erproben. Das ist nicht immer leicht und wir haben auch keinen Masterplan.


Was ist das Ziel?

Wir wollen unsere Kapazitäten ausbauen, um mehr haltbares Essen produzieren zu können. Das soll die Grundlage dafür sein, ein größeres Netzwerk der solidarischen Gegenseitigkeit zu schaffen, dass sich gegenseitig mit Lebensnotwendigem und mehr versorgt.

Andere Gruppen könnten zum Beispiel weitere Ackerfrüchte anbauen, in der Stadt Lebensmittel retten, eigene Aufstrichgruppen / Baukollektive / Bäckereien / Nähwerkstätten / … gründen, und mit ihren Produkten und Tätigkeiten ein Netzwerk solidarischer Gegenseitigkeit aufbauen, indem alles hin und her fließt, je nachdem was gebraucht wird und was gegeben werden kann.

Je mehr Menschen und Gruppen mitmachen, desto mehr an Lebensnotwendigem kann über dieses Netzwerk gemeinsam organisiert werden. Klar, das ist noch Zukunftsmusik und davon sind wir noch sehr weit entfernt.

 

Mit unseren Erzeugnissen wollen wir allerdings eine konkrete Alternative vorschlagen, wie es anders gehen kann. Dieses andere Leben erfahrbar zu machen, gibt uns und anderen Hoffnung auf Veränderungen im Großen. Und es motiviert uns weiterzumachen.


Wir stärken uns gegenseitig

Glücklicherweise profitieren wir schon jetzt von nicht-kommerziellen Strukturen. Neben den für uns hergestellten Zutaten können wir außerdem bereits vorhandene Infrastrukturen des Karla*hofs nutzen. Würde es nicht bereits eine Küche, Maschinen, Equipment etc. geben, würde es uns vermutlich auch nicht geben.

 

Das alles wurde geschaffen und bereitgestellt von Menschen, die darin ihren Beitrag zu einem solidarischen Netzwerk der Gegenseitigkeit sehen. Im Kleinen funktioniert also bereits die nicht-kommerzielle Weitergabe und Weiterverarbeitung, wodurch sich einzelne Gruppen gegenseitig unterstützen. Kooperation und gegenseitige Unterstützung machen uns stark und widerstandsfähig. Wir sind immer auf die Unterstützung anderer angewiesen. In der Arbeitswelt sind wir Einzelkämpfer*innen, stehen in Konkurrenz zu einander, sind anderen unter- oder übergeordnet und „unseres eigenen Glückes Schmied“. Wir fühlen uns in so einer Welt alleine und einsam, ständig in unserer Existenz bedroht, darauf hoffend noch lange genug „Leistung“ erbringen zu können, um zu überleben bis zur Rente.

 

Wir versuchen unsere Solidarität miteinander dem entgegenzusetzen. Gemeinsam sind wir mehr als die Summe aller Einzelnen und können Stück für Stück das große Ziel der Veränderung angehen und versuchen eine lebendige Alternative zur Leistungs- und Ellenbogengesellschaft im Kapitalismus zu schaffen. Um diese Haltung geht es uns. Es geht uns darum, uns selbst und anderen Mut zu machen und sich gegenseitig in unserer Entschlossenheit zu bestärken, dass wir wertvoll und nicht wertlos sind, so wie wir sind. Unsere Gläschen mit haltbar gemachten Lebensmitteln sind nicht die alleinige Antwort auf all die Fragen, die sich uns und anderen stellen.

Aber sie können ein kleiner Blick in eine utopisch anmutende Zukunft sein, die solidarisch ist und ohne Leistungszwang auskommt.


Wie kann ich mich einbringen?

 

Um unser noch kleines Netzwerk der solidarischen Gegenseitigkeiten auszuweiten und mehr Schlagkraft zu entwickeln, sind wir auf der Suche nach Gruppen oder Einzelpersonen, die an einem kontinuierlichen Austausch interessiert sind. Dabei kann es um Produkte, tatkräftige Unterstützung, Diskussionsinhalte, Rohstoffe, Maschinenteilen oder etwas ganz anderes gehen.

Meldet euch gerne bei uns wenn ihr Interesse daran habt z.B.:

  • selbst nicht-kommerziell zu produzieren oder es bereits tut (auch wenn ihr es nicht so nennt)
  • euren Jahresbedarf an Aufstrichen anzumelden
  • ein Camp oder Event zu organisieren bei dem unsere Konserven hilfreich wären
  • ein Verteilnetzwerk aufzubauen
  • uns Dinge oder Geld zu schenken
  • Rezepte zu teilen
  • zu unseren Verarbeitungswochen zu kommen

Falls ihr uns konkret unterstützen möchtet, haben wir euch ein paar Denkanstöße aufgelistet. Erzählt uns gerne was ihr braucht!

 

Wir bedanken uns bei allen Unterstützer*innen und Kompliz*innen auf der Suche nach einem besseren Leben in Würde und freuen uns darauf dich und dich und dich bald kennenzulernen und gemeinsame Pläne zu schmieden.